Initiative «Bäume auf dem Neumarkt»

Der Klimawandel führt zu einer massiven Zunahme von Hitzetagen und Tropennächten. Unsere Altstadt ist davon besonders betroffen: Die dichte Bebauung und die hohe Versiegelung heizen sich im Sommer extrem auf. Die Temperaturen liegen hier oft um bis zu 10 Grad höher als im grünen Umland, weshalb sich unsere Stadt zur «Hitzeinsel» entwickelt. Um die sommerliche Belastung massgeblich zu mindern, braucht es dringend hohe, stattliche Bäume. Der Neumarkt als grosser, leerer Platz eignet sich besonders gut für die Bepflanzung mit Laubbäumen. Deshalb plant der Bewohner:innenverein eine Initiative für zehn zusätzliche Bäume auf dem Neumarkt.

Leerer und kahler Neumarkt Winterthur

Bäume als natürliche Klimaanlage sind das effektivste Mittel gegen Überhitzung. Sie wirken gleich mehrfach:

Kühlung durch Verdunstung: Bäume kühlen in Städten ihre Umgebung ab, indem sie über ihre Blätter Wasser verdunsten. Dieser Prozess funktioniert wie Schwitzen: Die Verdunstung entzieht der Umgebung Wärme, wodurch die Lufttemperatur sinkt. Die Verdunstungskühlung ist umso höher, je mehr Blätter ein Baum trägt. Ein ausgewachsener Baum verdunstet an einem heissen Tag hunderte Liter Wasser und entzieht der Umgebungsluft aktiv Wärme.

Beschattung: Die Blätterdächer verhindern, dass sich der Boden und die umliegenden Fassaden durch direkte Sonneneinstrahlung aufheizen. Das hat einen grossen Einfluss auf die Erwärmung tagsüber und auf die Wärmeabstrahlung in der Nacht. Durch die Kombination von Verdunstung und Beschattung können Stadtbäume ihre Umgebungstemperatur um über sieben Grad Celsius reduzieren.

Aufenthaltsqualität: Im Schatten eines gross gewachsenen Baumes ist es gemäss Studien gefühlte 10 – 15 Grad kühler. Der Neumarkt wandelt sich durch die Initiative also von einer versiegelten «Pfanne» zu einem attraktiven Begegnungsort mit hoher Lebensqualität, der auch bei grosser Hitze zum Verweilen einlädt.

Entsiegelung: Die gezielte Teilentsiegelung des Bodens für die Baumpflanzungen ist ein entscheidender Fortschritt für den Wasserhaushalt der Stadt. Statt wertvolles Regenwasser ungenutzt in die Kanalisation zu leiten, kann es vor Ort versickern und den Boden sowie die Bäume bei Trockenheit mit Feuchtigkeit versorgen. Dies entlastet zudem bei Starkregenereignissen die städtische Kanalisation. Mit der Pflanzung von zehn zusätzlichen Laubbäumen setzen wir ein klares Zeichen für eine klimaresiliente Stadtentwicklung und schaffen einen gesünderen Lebensraum und eine sehr hohe Aufenthaltsqualität für Mensch und Tier. Die Unterschriftensammlung kann frühestens Ende August starten. Wir hoffen, dass wir auch Ihre Unterstützung erhalten!

05.06.2026 / Hedi Strahm