Der etwas besondere Quartierverein ist Geschichte

Es war nicht das erste Mal im Leben des Quartiervereins Graben – Holderplatz und Umgebung, dass dessen Mitglieder über die Weiterexistenz ihres Vereins zu entscheiden hatten, als sie sich Ende November des letzten Jahres vor dem traditionellen Chlausabend zu einer ausserordentlichen Generalversammlung trafen.
Bereits in den Jahren 1971 und 1992 wurde über seine Auflösung diskutiert. Doch diesmal wurde sie Realität. Der Antrag des Vorstands, den Verein aufzulösen, wurde von den anwesenden rund 2/3 der Mitglieder einstimmig und erstaunlicherweise ohne Diskussion gutgeheissen. Im Gegensatz zu den früheren Krisen führte nicht eine sinkende Mitgliederzahl oder ein geringes Interesse an den Vereinsaktivitäten zu diesem Beschluss, sondern es fand sich trotz langer Suche niemand, der nach dem Rücktritt der Präsidentin Silvia Friedrich und zwei weiterer Vorstandsmitglieder diese Aufgaben im Vorstand übernehmen wollte.
Mit der Auflösung dieses Vereins verschwindet ein gewisses Unikum unter den Winterthurer Quartiervereinen. So war er mit seinen 30 Mitgliedern wohl der kleinste Quartierverein Winterthurs. Davon wohnten in den letzten Jahren nur gut die Hälfte im Quartier, die andern – ehemalige Grabenbewohnerinnen und -bewohner – in anderen Stadtteilen, in Zürich oder gar in Griechenland.
Untypisch für einen Quartierverein war auch das kleine Vereinsgebiet, das mit dem Graben und dem Holderplatz nur einen Strassenzug (nebst ein paar Nebengassen) umfasste. Gross waren hingegen seine lange Tradition und Geschichte, erreichte doch der 1893 gegründete Verein das hohe Lebensalter von 132 Jahren. Symbol dieser Traditionsverbundenheit war zum Beispiel die aus der Gründerzeit stammende Vereinsfahne, die an den Vereinsanlässen immer präsent war.
Doch es entstanden auch neue Vereinstraditionen. So fanden die Vereinsanlässe (GV und Chlausabend) seit 1992 nicht mehr in einem Restaurant, sondern in der damals neu eröffneten Alten Kaserne statt. Seit dem Jahr 2014 ergänzte auch ein Ausflug das traditionelle Jahresprogramm des Vereins.
Rückblickend lässt sich feststellen, dass sich der Verein in seiner Grösse und Struktur seit seiner Gründung nicht wesentlich verändert hatte. Dies im Gegensatz zur Struktur der Wohnbevölkerung und zu der äusseren Erscheinung des Strassenbildes und eines Teils der Häuser am Graben.
Mit dem Verschwinden ihres speziellen kleinen Quartiervereins werden die „Gräblerinnen und Gräbler“ nicht heimatlos, können sie doch nachbarliche Kontakte auch beim BVA, dem jüngeren, aber grösseren Altstadtverein, pflegen und dort besondere Quartieranliegen einbringen.
Text: Peter Hodel (Präsident Quartierverein Graben – Holderplatz un Umgebung 2013 – 2024)
Februar 2026
